Roots / Fragment 01

Ein literarisches Fragment über Verwurzelung, Mutterschaft und die Frage, was wir weitergeben.

Fabienne Sohna

5/18/20261 min read

Meine Wurzeln sind nicht sichtbar. Sie liegen tief, unter Geschichten, Liedern und Händen, die mich gehalten haben, bevor ich laufen konnte. Manche sind fest, andere brüchig. Doch alle nähren, was ich heute bin — und was ich an mein Kind weitergebe.

Als ich zum ersten Mal Mutter wurde, glaubte ich, ich müsste alles wissen. Ich las Bücher über Babys, suchte nach Anleitungen, versuchte, das Richtige zu tun. Manchmal saß ich vor meiner Tochter und wusste nicht, was ich mit ihr anfangen sollte — nicht weil ich sie nicht liebte, sondern weil ich dachte, ich müsste etwas performen.

Ich war ganz in meinem Kopf. Nicht in mir.

Erst beim zweiten Kind, im Geburtsvorbereitungskurs, beim Tönen, beim Spüren meines eigenen Atems, meines eigenen Körpers — begann ich zu verstehen: Verwurzelung ist keine Idee. Sie ist eine körperliche Erfahrung.

Ich musste nicht mehr wissen. Ich musste tiefer werden.

Roots. Wurzeln. Das Wort klingt einfach, aber es trägt viel. Es trägt die Frage: Woher komme ich? Es trägt die Frage: Was gebe ich weiter? Und es trägt die schwierigere Frage: Was möchte ich bewusst nicht weitergeben?

Viele von uns haben nie gesehen, wie gelebte Mutterschaft aussieht. Wir haben selten erlebt, wie andere Frauen Babys tragen, stillen, beruhigen, halten. Mutterschaft findet oft hinter verschlossenen Türen statt. Statt im Kreis von Frauen lernen viele von uns aus Büchern, Kursen oder Foren.

Diese Brüche hinterlassen Spuren. Sie erzeugen Einsamkeit, manchmal auch Unsicherheit: Mache ich es richtig? Gebe ich meinem Kind genug Halt?

Doch genau darin liegt auch eine Möglichkeit. Wenn alte Linien fehlen, können wir neue schlagen.

Rooted Motherhood bedeutet nicht, perfekt zu sein. Es bedeutet, sich wieder zu verbinden: mit dem Körper, mit Erinnerung, mit Nähe, mit Gemeinschaft, mit den eigenen Wurzeln.

Dieses Buch ist eine Einladung, diesen Fragen — woher komme ich, was gebe ich weiter, was lasse ich los — nachzuspüren. Nicht mit dem Kopf allein, sondern mit dem Körper, mit der Geschichte, mit der Gemeinschaft.